Dauernd unterwegs und doch Zuhause
Leben im Van, Übersicht über die Alpen, Blick vom Mont Ventoux.

Dauernd unterwegs und doch Zuhause

So, nun bin ich seit dem 25.05.2020 unterwegs und sozusagen wohnungslos. Meine Wohnung und das Yoga Studio habe ich zum 01.06.2020, um mich nicht, durch die Auswirkungen von Corona zu verschulden.

Ich gebe weiterhin Yogakurse an verschiedenen Orten, habe aber meinen Alltag in den Bus verlegt. Hier lebe und arbeite ich.

Mit dem Bus stehe ich, wo immer es eine Möglichkeit und guten Funkempfang gibt. 

Was hat sich verändert und was ist anders im Bezug auf die Organisation von Leben im Wohnmobil und die täglichen ToDo`s?

Also das erste was anders ist und was ich wirklich sehr vermisse, ist meine regelmäßige Yogapraxis. Sowohl das Wetter als auch die Plätze sind nicht immer geeignet, um eine Asana Praxis vor dem Bus zu genießen und so kann ich einfach morgens nicht immer meine Matte vor dem Bus ausrollen und Praktizieren. Ganz ehrlich? Das vermisse ich sehr! ;-( 

Leben im Bus

Das bedeutet, meine eigene Praxis musste sich verändern. Ich meditiere mehr als vorher und übe mehr Asanas die keinen großen Raum einnehmen. Das allerdings spüre ich auch sehr in meinem Körper, denn der hat die ausgedehnte Morgenpraxis geliebt. Heißt, es gibt Stellen, die es lieber hätten, wenn sie mehr Bewegung hätten, wie mein unterer Rücken und Schultergürtel, Nacken.

Gleichwohl merke ich auch, dass die reduzierte Praxis und die reduzierten Yogakurse in meinem Business Angebot dafür sorgen, dass ich in einigen Asanas ausdauernder und kraftvoller bin. Scheint zunächst ein Widerspruch zu sein, doch scheint es eben nur. 🙂 Fakt ist, dass mit intensivem Training auch intensive Ruhephasen und Schlafphasen nötig sind, um Kraft aufbauen zu können. Und scheinbar geschieht dies, ohne dass ich es mir vorgenommen habe. Das wiederum, ist wundervoll zu spüren! 

Auch meine Gelenke, wie z.B. die Kniegelenke haben an manchen Tagen, als ich so extrem viel auf der Matte war, gemeckert. Was nach 12 Jahren der intensiven Asana Praxis auf der eigenen Matte und im Unterricht, niemanden wundert. Ich hatte in einigen Phasen meines Lebens als selbständige Yogalehrerin im eigenen Studio, manchmal bis zu 17 Kursen in der Woche. 90 Minuten Kurse 🙂

Die Veränderung der eigenen Yoga Praxis hat mich zwar neue Ideen für eine Praxis im Bus entwickeln lassen, doch sie ersetzt nicht meine intensive Praxis auf der Matte. Sie dienen dazu mich weiterhin zu zentrieren und wohl zu fühlen und dazu das erreichte zu halten.

Die Übungen im Stehen vor dem Bus, haben mich allerdings zu einigen schönen Flows im Stehen geführt. .-)

Verändert hat sich auch, dass ich wieder mehr zu mir finde und mir mehr Pausen gönne. Mein Wohlgefühl steigt, durch die vielen Aufenthalte in der Natur und in der Stille. Mehr Zeit um mich mit Freundinnen zu treffen, macht mich außerdem glücklich.

Die wenige freie Zeit die mir als Freelancerin insgesamt bleibt,  jetzt in der Natur verbringen zu können, ist ein großer Gewinn, wenn man im Van lebt. Und es kommt auch meinem Felltier zugute.

Unterwegs S E I N lässt mich überall Zuhause zu sein. Das ist etwas Besonderes. Mein „Schneckenhaus“ ist dabei und so kann ich mich überall Zuhause fühlen. Das ist eine neue und sehr schöne Erfahrung. Sie hat etwas von Weite. Weite in meinem Kopf, in meinen Empfindungen und Weite in meinem Bewusstsein. Das fühlt sich hervorragend an und schenkt mir Ruhe und Geborgenheit.

Alleine die Tatsache, dass ich von überall Arbeiten kann, sofern ein entsprechendes Funknetz gegeben ist, ist wunderbar. Rechner auf und los gehts.

Dann zu erfahren, dass es so viele gibt, die es ähnlich machen und so viele Kontakte zu haben, um sich auszutauschen. Ob es die VanloveGirls  oder Campernomads sind … Und wenn Du mehr Hören möchtest von Menschen, die es ähnlich machen wie ich aktuell, höre gerne hier rein: 

Oder hier in ein Interview mit mir von Karin Scherpe, Gründerin der VanloveGirls.

Oder hier, bei den

und in das Interview mit mir, das Anja, meine Namensvetterin von den Campernomads, mit mir geführt hat. Ab Minute 49:50 könnt ihr mich hören.

Seit Corona ist viel geschehen und nein, ich sehe nicht in allem eine Chance und finde sehr wohl, dass ist eine beängstigende und beunruhigende und ungewöhnliche Zeit. Doch plötzlich kommen einige aus ihren Schneckenhäusern und andere wachsen über sich hinaus. Plötzlich eröffnen sich noch mehr Möglichkeiten das eigene Leben zu gestalten, wenn auch vollkommen anders als je geplant und anders als die meisten Menschen leben (möchten).

Yoga bringt mich mir näher und die materielle und räumliche Reduktion aufs Wesentliche, was ich im Bus ja habe, bringt mich mir noch näher. Dazu habe ich mir einige Gedanken gemacht, die in den nächsten Beiträgen zu lesen sind 🙂

Die Natur sorgt für Schönheit und ein Gefühl von „Aufgehoben sein“ und das Wenige sorgt für mehr. Es gibt plötzlich kein Mangeldenken mehr. Es macht eher Freude auszuprobieren, was noch alles weg kann und überflüssig ist.

Das Einzige was mich nervt, ist die Suche nach Plätzen zur Ver- und Entsorgung (Wasser, Abwasser, zwischendurch mal Strom) und dass viele dieser Plätze nicht wirklich funktional sind. Oft fehlen die Ablassrinnen im Boden, sodass man gezwungen ist entweder noch einen Schlauch mitzuführen (der ja stinkt, weil es Grauwasser, also Spül- & Duschwasser ist, was da durch läuft)  und das Abwasserrohr zu verlängern, damit man Abwasser oder Grauwasser loswerden kann. Dann gibt es m.E. viel zu wenige V und E Stationen und wie immer, gibt es leider viele Menschen die keine gute Kinderstube hatten oder vergessen haben, wie sie selbst gerne Orte vorfinden möchten. Sie verschandeln diese Plätze. Sie wissen sich einfach nicht zu benehmen. Grundsätzlich darf das Netz dieser Plätze sich gerne verdreifachen, schließlich vervielfachen sich auch die Nutzer und das seit Corona noch mal mehr.

Dauernd unterwegs sein, lässt mich ein wundervolles Deutschland entdecken.

Früher bin ich viel gewandert und habe mir einiges angesehen, doch mein Hamsterrad der Selbständigkeit hat dazu geführt, dass ich das genau nicht mehr machen konnte. Und nun habe ich eine Chance wieder zu entdecken wie schön es bei uns ist. Klar würde ich auch gerne ins Ausland fahren, doch Corona und der Geldbeutel hindern mich 😉

Haus der Ge(h)zeiten - Frieda unterwegs

Kennt Ihr den hohen Norden? Nein, nicht nur die Küste und die Inseln, die ich selbst sehr liebe. Sondern die vielen Alleen im Dithmarschen und die vielen Wasserstraßen hier? Auch Deichstrassen, wunderschön mit herrlichen Höfen und Häusern.  Ich bin gerade völlig begeistert von dieser Ecke, die ich bisher eher durchfahren habe, um ans Meer zu kommen. Plötzlich stellt sich eine große Zufriedenheit ein, weil doch alles Wesentliche vor der Tür ist, uns vor den Füßen liegt und wir häufig verlernt haben das Nahe zu lieben und in die Ferne schweifen.  Diese Schönheit hebt sogar meine Sehnsucht nach der Weite des Meeres (fast) auf.

Aber zurück zu der Frage: Dauernd unterwegs und doch Zuhause?! Was macht denn eine Zuhause aus? Möbel, vier Wände, Dekorationsartikel? Menschen, die das gleiche Zuhause, die gleichen vier Wände mit Dir teilen? Eine Gefühl von sich wohl fühlen? Wie ist deine Definition von Zuhause?

Ich definiere es gerade neu. Für mich ist Zuhause dort, wo ich mich wohl fühle. Dafür benötige ich tatsächlich sehr wenig. Ein kleiner Raum, in den ich mich zurück ziehen kann, wenn mir danach ist oder Grundbedürfnisse wie Essen und Schlafen erfüllt werden können. Dieser Raum kann jedoch an allen möglichen Stellen sein. Ich fühle mich zuhause in der Natur und dabei ist es egal, ob ich auf einer Wiese, im Wald oder am Wasser stehe. Mein Zuhause ist eigentlich nur in mir und der Bus ist der Raum, in den ich mich zurück ziehen kann, um Grundbedürfnisse nach Allein-Sein und Schlafen, Essen, Waschen zu stillen. Das ist ein sehr freies, schönes und ruhiges Gefühl: wissen, dass mein Zuhause in mir ist.

So hat Corona für mich eine Wendung in mein Leben gebracht, von der ich immer dachte, es wäre schön auszuprobieren im Bus zu Leben. Nun ist es so und bisher fühle ich mich sehr wohl in meinem Schneckenhaus auf Rädern.

Geändert hat sich an meinen ToDo`s selbst eigentlich nichts. Ich sitze viel Zeit am Rechner, wenn ich nicht unterrichte. Bereite viele Aufgaben für die Zukunft vor und arbeite an den jetzigen Aufgaben. Ich habe weniger Zeit mit Aufräumen und Putzen zu tun, muss aber dafür immer nach Waschsalons und V&E Stationen Ausschau halten.

Meine Yogakurse vor Ort haben sich auf die Hälfte reduziert und ich bin froh, ein bisschen mehr Raum zu haben, denn der Wechsel und Umzug von der Wohnung ins Wohnmobil war sehr anstrengend. Ich habe mein ganzes Leben, privat wie beruflich neu strukturiert und baue weiter auf und um, sodass es aufregend und lebendig bleibt.

Ja, ein Leben voller Lebendigkeit. Dafür bin ich sehr sehr dankbar!