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Haus der Ge(h)zeiten - Yoga Etikette

Yoga Etikette

Etikette beim Yoga – Auch wenn ich sonst nicht so sehr auf Etikette stehe ūüėČ

Yoga ist inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Super! Genau da gehört es meines Erachtens hin. Und ich hoffe in Zukunft praktizieren noch mehr Menschen Yoga. Und ich hoffe auch, es gibt so viele Yogalehrerpersönlichkeiten wie es unterschiedliche Menschen gibt. Nur so kann auch jeder Mensch den Lehrer, die Lehrerin seiner Wahl finden.

Trotzdem stolpere ich immer wieder √ľber Menschen, die zum Yoga gehen, als wollten sie zu einen Sportevent und auch √ľber die jenigen, die √ľberall ihre Handt√ľcher hinlegen m√ľssen. Zum Vergleich: kein Fussballer k√§me auf die Idee auf einem Aschenplatz mit St√∂ckelschuhen oder Turnschuhen zu erscheinen. Nat√ľrlich hat er Stollenschuhe an. Wieso kommen die Menschen zum Yoga mit Socken und Handt√ľchern anstatt einfach barfu√ü?

Zum Fahrradfahren tragen sie bunte Hosen, Brillen, Sportjacken und Shirts mit Taschen, teure Handys am Lenkrad und und und…. Zum Yoga wollen sie keine benutzte Matte nehmen, was ich total okay finde, doch wieso kaufe ich mir dann nicht im Laufe eines Kurses, nachdem ich entschieden habe ich mache weiter Yoga, einfach eine eigene Matte und benutze sie dann so, wie es gedacht ist? Stattdessen tanze ich mit dem Handtuch an und rubbel es bei jeder Bewegung, bei jeder Drehung, bei jeder Variante vom Hund zusammen und auseinander?

Haus der Ge(h)zeiten - Socken

Das Gleiche ist das Thema Socken. Wenn ich unbedingt, aus hygienischen, friertechnischen oder sonstigen Gr√ľnden Socken tragen m√∂chte, wieso kaufe ich mir dann nicht Yogasocken? Die rutschen nicht!

Und dann gibt es auch die, die sich gerne ausstatten mit verschiedenen hilfreichen Props, sie aber nicht benutzen. Selbst dann nicht, wenn sie den Hinweis bekommen, jetzt wäre es hilfreich …..

Ein weiteres Ph√§nomen ist die Tatsache wie geparkt wird. Ja, das Auto vor den Yogaschulen und die Matte im Yogaraum. ICH ICH ICH habe Platz. Wer noch kommt, hat Pech. Ich war schneller. Manchmal hat man den Eindruck das Menschen nur noch aus ‚ÄěIch habe Recht‚Äú und ‚Äěich habe Vorrang“, bestehen und sich versuchen den Raum, den sie vielleicht sonst in ihrem Leben nicht ausf√ľllen (?), mit ihren Autos und ihren Matten einnehmen wollen.

Also, das musste ich jetzt mal loswerden. Tut mir leid! Und ‚Ķ. Eigentlich stolpere ich ja hier √ľber mich selbst und mein Unverst√§ndnis, wenn Menschen in dieser Weise im Unterricht auftauchen.

Da sind wir dann wieder. Letztlich ist alles im Außen doch eine Sache die mit meinem Inneren zu tun hat. TATAAAA!

Also gebe ich doch zu, ich stolpere gar nicht √ľber die Menschen in den Kursen, sondern √ľber mich?!!!! Und wieso k√∂nnte es Euch interessieren, dass ich √ľber mich stolpere?

Weil ich glaube, dass ich keine Ausnahme bin.

Ich unterrichte zwar Yoga und lebe meine Leidenschaft und √úberzeugung mit Yoga, doch ich bin ein Mensch. All die ausgef√ľhrten Dinge, ob Socken oder Handtuch, haben letztlich damit zu tun, sich nicht einzulassen. Haben mit Toleranz und Gelassenheit zu tun. Und f√ľr mich als Yogalehrerin ist es die (manchmal noch) fehlende Gelassenheit Menschen gegen√ľber, die in den Unterricht kommen und sich nicht einlassen.

D.h. Gelassenheit und Unbewusstheit sind die Themen, die ich t√§glich im Unterricht habe. Bei mir selbst und bei all den vielen – Gott sei Dank – sehr treuen und langj√§hrigen Sch√ľlern.

Wenn ich noch nicht wei√ü, ob Yoga wirklich meine Bewegungsform und Achtsamkeitsarbeit ist, die mich l√§nger besch√§ftigt, kaufe ich mir vielleicht keine Yogamatte oder Props. Oder wenn ich Props habe, weil ich dachte es sei sinnvoll, bin ich vielleicht √ľberfordert sie einzusetzen. Zudem erkennt jeder im Raum, dass ich bestimmte Abl√§ufe ohne Props ‚Äěnicht schaffe‚Äú. Ich gestehe also ein ‚Äěnoch nicht K√∂nnen“ ein.

Und es ist ja auch m√ľhsam immer mitzudenken, um ihren Einsatz zu bestimmen. ūüėČ Dabei kommen die meisten doch in den Unterricht um Loslassen zu k√∂nnen.

Es zeigt also, ich wei√ü noch nicht was ich will. Ich brauche noch Zeit und Raum zum √úben und Gelassenheit, um all die Verunsicherungen und Fehler zulassen zu d√ľrfen. Es geht also darum den eigenen Weg in die Bewusstheit selbst zu gehen.

Wir alle sind so gestrickt, dass wir m√∂glichst nicht auffallen wollen, wenn wir etwas noch nicht verstanden haben, (noch nicht) aus√ľben k√∂nnen. Wir DENKEN wir WISSEN wie es SEIN SOLLTE. Wir besch√§ftigen uns nicht wirklich mit dem was ist, sondern mit dem was sein SOLLTE. Und gehen davon aus, dass andere sich auch mit dem besch√§ftigten was sein sollte. Wir versuchen die scheinbaren Erwartungen von anderen zu erf√ľllen, ohne sie wirklich zu kennen. Ohne bewusst zu entscheiden, ob wir diese Erwartungen erf√ľllen wollen. Wir sind ein bisschen wie Lemminge, die einfach tun, ohne zu denken. Aus Gewohnheit und Unbewusstheit.

Wir lassen uns jedoch nicht wirklich auf das ein, was wir gerade tun. Ja, die R√ľckenschmerzen oder Kopfschmerzen sollen weg gehen oder sich zumindest verbessern, doch einlassen auf diese Form der Bewegung, des Seins im Moment und den dazugeh√∂rigen Hilfen, das wollen wir bitte nicht. Kennt ihr das? Wasch mich, aber mach mich nicht nass?

Wenn Yoga der Zustand ist in dem die Geistesbewegungen zur Ruhe kommen, dann haben wir hier (oben beschrieben) die vielen unruhigen Geistesbewegungen, die uns daran hindern (wollen) im Hier und Jetzt zu Sein. (Sutra 1.2) Die kalten F√ľ√üe, der schmerzende R√ľcken, die Dame auf der Nachbarmatte die im Shavasana schnarcht. Der Wunsch gut auszusehen und einen besonders gro√üen Ausfallschritt machen zu k√∂nnen. Und auch „Ich will meine Matte dort hinlegen‚Äú und ‚Äěmein Auto hier parken‚Äú, ich nehme die Props nicht und die Socken ziehe ich sowieso nie aus ‚Ķ.

Deshalb ist mir der Yogaweg ein wundervoller Weg. Er zeigt mir auf, wie ich dieses Karussell, diese ‚ÄěAffen im Kopf‚Äú zur Ruhe bringen kann und sagt au√üerdem, dass ich daf√ľr √úben, √úben und nochmals √úben muss. Es wird mir nicht geschenkt und ist f√ľr immer einfach da. Ich muss mich bewusst immer wieder darin √ľben zu Sein. Auf der Matte, bei meinem Atem und in einem Asana oder Kriya, beim Kaffeetrinken oder Parken.

Und das, was ich dann vom Yoga geschenkt bekomme, ist auf jeden Fall einen kr√§ftigen, gesundenden, gedehnten K√∂rper in dem ich mich wohl f√ľhlen kann. Einen K√∂rper, in dem ich gerne sein mag und der es mir erm√∂glicht irgendwann vorbereitet zu sein, im Nichts Tun mein eigentliches Sein zu erfahren. Meinen wahren Wesenskern, meine wahre Natur zu erkennen.

Und der Weg dahin, ist ein √ľbender Weg, der mich immer mal wieder Straucheln und Stolpern l√§sst. Dennoch merke ich sehr deutlich, es lohnt sich wieder aufzustehen und einfach den Weg zu gehen. Ohne Ziel gehen und genie√üen, mich einlassen in die Unvollkommenheit und mich vorbereiten auf meine wahre Natur.

Ich w√ľnsche dies allen Wesen in allen Welten. Den eigenen Kern zu erkennen.

OM MANI PADME HUM

 

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