Potentialentfaltung durch Annahme in der Reihe Tagebuch einer Yogalehrerin – Momente des Glücks
Potentialentfaltung im Haus der Ge(h)zeiten

Potentialentfaltung durch Annahme in der Reihe Tagebuch einer Yogalehrerin – Momente des Glücks

Der Begriff Potentialentfaltung wird immer häufiger für bestimmte Entwicklungsprozesse in Bezug auf den Menschen verwendet und heute möchte ich eine Geschichte erzählen, welche Bedingungen notwendig sind, damit ein Mensch sein Potential entdecken und entfalten kann. Natürlich am Beispiel einer Geschichte aus dem Unterricht. Denn schließlich geschehen die großen Dinge in der Banalität des Alltags.

Als ich Anfang des Jahres eine Nachricht von einer Frau bekam die mir mitteilte, sie wolle nun ein letztes Mal probieren, ob Yoga eine Möglichkeit für sie sei sich leichter und besser zu fühlen, war ich alarmiert. Sie berichtete, sie habe nach vielen Operationen um den Krebs zu besiegen, den Körper voller Narben und könne sich eigentlich kaum bewegen. Das Narbengewebe und ihr Körperumfang würden sie daran hindern. Sie wolle nun ein letztes Mal, weil sie immer wieder lesen würde wie hilfreich Yoga sei, einen Versuch mit Yoga starten.

Sie kam zu einer Einzelstunden und ließ sich ein in eine sanfte und atembetonte, fließende Yogastunde und war am Ende der Stunde zumindest so angetan, dass sie sich in einen Kurs einbuchte.

Nun ist ein Jahr vergangen. Inzwischen hat sie eigene Yogamaterialen wie z.B. eine eigene Matte, um zuhause zu üben. Vor allem hat sie endlich eine Form der Bewegung und der Beruhigung gefunden, in der sie ihr Potential als Frau, nach einer schlimmen Krebserkrankung mit entsprechenden Folgen leben kann. Da sie nicht bewertet wird und in keine Form gepresst wird, von ihr nichts erwartet wird, sondern sie ist einfach richtig ist, so wie sie ist. Dieser Raum ermöglichte ihr erst sich selbst zu entdecken und daraus zu entwickeln, was sie alles noch möchte und ausprobieren kann.

Und so nimmt sie Anregungen und Ideen aus dem Unterricht mit in ihren Alltag.

Momente des Glücks, denn sie kann heute viele Positionen einnehmen, die vor einem Jahr undenkbar waren und nur Schmerzen hervorgerufen haben. Sie hat Freude gefunden, obwohl sie einen Körperumfang hat der nicht, wie sie sagt: „einer schlanken, jungen und schönen Frau entspricht“. Und trotzdem kann sie Freude an der Bewegung und vor allem wieder an ihrem Körper und Zutrauen in ihren Körper und ihr Sein finden.

Dies sind die Momente, die das Leben einer Yogalehrerin bereichern.